Häufig gestellte Fragen an die Rudolf Steiner Schule Hamburg-Nienstedten

1. Muss mein Kind für die Aufnahme an der Schule musisch begabt sein?
Waldorfschulen stehen allen Kindern offen. Weder Religion, Hautfarbe, Geschlecht noch Einkommen der Eltern o.a. werden bei der Aufnahme bewertet. Das Gleiche gilt für musische Talente. Waldorfschulen sind offen für jede Richtung von Begabung. Beim Malen, Zeichnen, Singen und Plastizieren geht es weniger um das Ergebnis als vielmehr um den Prozess. An ihm üben Kinder und Jugendliche ihre Fähigkeiten weit über das künstlerische Gestalten hinaus. Es gibt eigentlich nur zwei Voraussetzungen für die Aufnahme eines Kindes: Das Kind sollte von seiner Entwicklung und von seinem Verhalten her normal „beschult“ werden können. Und die Eltern sollten die Waldorfschule als Schule für ihr Kind wollen. Um Eltern diesbezüglich eine Orientierung zu geben, führen wir ausführliche Informationsabende durch. Anschließend findet für jedes Kind ein individuelles Aufnahmegespräch statt. Auch in höhere Klassen werden Kinder als „Quereinsteiger“ aufgenommen.

2. Warum haben Waldorfschulen eigentlich so große Klassen?
Es stimmt: Schulklassen in Waldorfschulen bestehen oft aus weit über 30 Kindern. Das Vorhandensein einer möglichst großen Anzahl unterschiedlicher Temperamente hilft nach unserer Auffassung den einzelnen Schülern, ihre Position im Verband der Klasse zu finden. Darüber hinaus werden nach dem Epochenunterricht (den ersten beiden Stunden des Tages) die Klassen in zwei, teilweise sogar drei Gruppen aufgeteilt. Für die Fremdsprachen ergeben sich dadurch Gruppen von unter 20 Schülern, in den handwerklichen Fächern sind es höchstens 14 Kinder. So gesehen sind unsere Klassen im Durchschnitt also sogar eher kleiner als an den staatlichen Schulen.

3. Lernen ohne Noten und Sitzenbleiben – wie soll das gehen?
Waldorfschulen haben als Ziel, unter Berücksichtigung der individuellen Fähigkeiten, das Lernen selbst zu lehren. Statt Angst vor schlechten Bewertungen, sollen Interessen geweckt und die eigene Motivation gefördert werden. Waldorfschulen verzichten deshalb in der Unter- und Mittelstufe auf Noten. Was nicht heißt, dass die Lehrer die Arbeiten ihrer Klasse nicht korrigieren und bewerten. Statt jedoch Fehler zu summieren, um zu einem nüchternen Zahlenwert zu gelangen, formulieren sie individuelle Beurteilungen, die auf jeden einzelnen Schüler zugeschnitten sind und das berücksichtigen, was er mitbringt und was er leisten kann. Ab der 10. Klasse kommen zu diesem Textzeugnis auch Zensureninformationen hinzu. Tatsächlich bleibt auf der Waldorfschule kein Kind sitzen. Die hier praktizierte Pädagogik orientiert sich an den kindlichen Entwicklungsphasen und lenkt ihre Aufmerksamkeit auf die Gesamtentwicklung der Kinder und Jugendlichen. Übrigens: Die viel diskutierte PISA-Studie hat hierzulande viele mit der Erkenntnis überrascht, dass Schüler anderer Länder, deren Schulsystem auf das Sitzenbleiben verzichtet, z.T. bessere Lernergebnisse vorweisen konnten.

4. Lernen Walddorfschüler eigentlich genug?
Die Waldorfschule bietet ein breites Angebot an Unterrichtsstoff. Neben den altersentsprechenden Lerninhalten werden praktische Fähigkeiten vom Handarbeiten bis zum Tischlern ebenso gepflegt wie künstlerische Fächer wie Malen, Musizieren und Plastizieren. Da die Schulzeit an der Waldorfschule insgesamt 13 Jahre dauert, bekommen die Schülerinnen und Schüler ein weit gefächertes Spektrum an Kenntnissen und Fähigkeiten mit auf den Weg. Sie lernen dabei im Allgemeinen nicht nur ebenso viel wie an den staatlichen Schulen, sondern sogar mehr. Ab der 7. Klasse wird der Unterricht zusätzlich durch Praktika ergänzt: in einem Forst- und einem Landwirtschaftspraktikum, einem Landvermessungs-, einem Betriebs- und einem Sozialpraktikum erhalten Schülerinnen und Schüler eine zusätzliche lebensnahe Ausbildungsgrundlage, wobei weniger die Berufsfindung, als vielmehr die persönlichen und sozialen Fähigkeiten gefördert werden.

5. Ist die Waldorfschule nicht vor allem etwas für Lernbehinderte?
Die Waldorfschule ist offen für alle Begabungsniveaus, genauso wie staatliche Schulen von der Grundschule bis zum Gymnasium. Im Durchschnitt machen weit mehr als 50% unserer Schüler ihr Abitur. Das Vorurteil, dass die Waldorfschule eine Schule speziell für Lernbehinderte sei, hält sich dennoch hartnäckig. Vielleicht, weil wir tatsächlich auch Kinder mit bestimmten Lernschwierigkeiten aufnehmen und integrieren. Die Waldorfschule kann solchen Kindern helfen, lebenstüchtig zu werden. Den Kindern ohne diese Lernschwierigkeiten dagegen hilft dieses Miteinander zu einem noch tieferen Verständnis von Individualität und Persönlichkeit. So gewinnen beide Seiten von dieser Offenheit.

6. Kann mein Kind an der Rudolf Steiner Schule Hamburg-Nienstedten Abitur machen?
Selbstverständlich. Der Anteil der Abiturienten liegt an dieser Schule mit weit über 50% sogar besonders hoch. Grundsätzlich gilt, dass an den Waldorfschulen alle Abschlüsse gemacht werden können, die auch an den staatlichen Schulen möglich sind. Die Bestimmungen dazu sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. An den Hamburger Waldorfschulen ist ganz neu: die 12. und 13. Klasse zählen als gymnasiale Studienstufe, das Abitur wird wie an Gesamtschulen während dieser zwei Schuljahre und durch drei zentrale Abschlussprüfungen abgenommen. 

7. Sind Waldorfschüler vorbereitet auf die harte Wirklichkeit?
Ist die Waldorfpädagogik nicht das Vorgaukeln einer heilen Welt? Anders gefragt: Ist Waldorfpädagogik nicht weltfremd? Diese Fragen an die Waldorfschulen und die an ihnen praktizierte Pädagogik ist weit verbreitet. Die Praxis zeigt jedoch, dass gerade Waldorfschüler in den späteren Berufen sehr geschätzt werden. Denn in einer Schule, die nicht nur auf intellektuelle Fähigkeiten setzt, können sich Teamfähigkeit, Kreativität, prozessuales Denken konsequent entwickeln und auch die vielseitige künstlerische Ausbildung wird oft geschätzt. In vielen Schlüsselpositionen der Wirtschaft oder Politik, in allen Bereichen der Gesellschaft sind ehemalige Waldorfschüler erfolgreich tätig.

8. Wird an den „freien“ Waldorfschulen antiautoritär unterrichtet?
Die Waldorfschulen nennen sich frei, weil sie unabhängig sind vom staatlichen Schulsystem und auf der freien Initiative von Menschen basieren, die sich dafür zusammengetan haben. Das heißt nicht, dass dort antiautoritäre Pädagogik betrieben wird. Im Gegenteil: Waldorflehrer werden versuchen, in den Klassen der Grundstufe ein Verhältnis zu den Schülern aufzubauen, das von „liebevoller Autorität“ geprägt ist, d.h. die Kinder können zu ihren Lehrern aufschauen. Kinder, davon gehen wir aus, suchen ihre Grenzen. Nur, wenn sie diese von den Erwachsenen auch erfahren, fühlen sie sich sicher und erleben sich selbst als eigene Persönlichkeiten, was für ihre Entwicklung zu autonomen Individuen wichtig ist. Das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern wandelt sich im Lauf der Schulzeit mit dem Heranreifen der jugendlichen Individualität.

9. Warum haben Kinder 8 Jahre lang denselben Lehrer?
Das Leben der Klassengemeinschaft an einer Waldorfschule wird von Rhythmen geprägt. Diese spielen nach unserer Auffassung eine große Rolle, damit Kinder sich gesund entfalten und zu selbstbewussten Menschen heranwachsen können. Beständigkeit ist dafür eine Voraussetzung. Sie gibt Kindern ein Gefühl von Sicherheit. Um den Schülern eine verlässliche Stütze sein zu können, begleitet ein Waldorf-Klassenlehrer seine Schützlinge acht Jahre lang durch den Epochenunterricht, die ersten beiden Unterrichtsstunden des Tages. Lernen findet dabei auf zwei Seiten statt. Denn der Klassenlehrer lernt während dieser Zeit seine Schüler genau kennen. Auf Basis der anthroposophischen Menschenkunde kann er auf die Stärken und Schwächen der Schüler individuell eingehen.

10. Kommt die Naturwissenschaft an Steiner-Schulen zu kurz?
Naturwissenschaftliche Fächer stehen an der Waldorfschule gleichwertig neben allen anderen Fächern des Unterrichts. Anders als an staatlichen Schulen werden allerdings naturwissenschaftliche Aspekte nicht nur von ihrer äußerlichen, materiellen, messbaren und empirischen Seite aus betrachtet und behandelt, sondern umfassend. Ist beispielsweise ein Thema wie Astronomie im Unterricht an der Reihe, dann nähern sich die Schüler diesem Thema gleichsam mit allen Sinnen: im Denken, aber auch beim Malen, in Form von Mythen und Poesie, weil auch im entsprechenden Fachunterricht die Sterne zum Thema gemacht werden. Dadurch wird das Wissen in und um Naturwissenschaften eher vertieft, als dass es zu kurz käme.

11. Was ist Epochenunterricht?
Der Epochenunterricht nimmt ein Themengebiet in den Blickpunkt und behandelt es dann während einer Zeit von 3- 4 Wochen lang jeden Morgen während der ersten beiden Unterrichtsstunden im gesamten Klassenverband. Dabei gibt er oft vor, was in den anderen Fächern Thema wird. Ein Beispiel: Ist im Epochenunterricht das Thema Hausbau dran, so kommen in Englisch oder Französisch Dinge zur Sprache, die inhaltlich zu diesem Thema in Beziehung stehen. Auf diese Weise gliedert sich das Schuljahr in 10 Epochen, in denen sich die Schüler über einen Zeitraum intensiv mit einem Thema befassen. Epochenfächer sind beispielsweise Deutsch, Mathematik, Geschichte, Biologie, Physik, Chemie, Geographie, Kunstgeschichte. In den ersten beiden Schuljahren wechseln sich Schreiben, Formenzeichnen und Rechnen ab.

12. Werden Schüler an der Rudolf Steiner Schule anthroposophisch erzogen?
Inhalte der Anthroposophie werden an der Waldorfschule nicht unterrichtet. Gleichwohl sind viele der Lehrer Anthroposophen. Obwohl die Waldorfschule aus der Inspirationsquelle der Anthroposophie schöpft und ohne sie nicht denkbar wäre, ist es jedem Schüler selbst überlassen, diesen Impuls für sich und sein Leben aufzunehmen - oder eben nicht. 

13. Was ist Eurythmie?
Die Eurythmie (griechisch etwa „schöne Bewegung“) hat im Lehrplan der Waldorfschule eine zentrale Rolle. Anders als im Sport soll mit der eurythmischen Bewegung nicht in erster Linie der Körper gestärkt werden, sondern diese Bewegungskunst legt den Schwerpunkt auf die Schulung der seelisch-geistigen Fähigkeiten. Eurythmie könnte man daher als "seelische Gymnastik" bezeichnen. Sprache und Musik werden in ihrer Gesetzmäßigkeit in Bewegung umgesetzt. Die Schülerinnen und Schüler lernen sich durch das Sichtbarmachen von musikalischen und sprachlichen Werken zu äußern und zu zeigen. Das bedeutet souverän zu werden im Offenbaren des eigenen Seelenlebens. Neben der Ausarbeitung musikalischer und sprachlicher Werke bietet das Fach Eurythmie ein weites Übungsfeld, was das Raumgefühl, die Geistesgegenwart und das Teamgefühl betrifft – Fähigkeiten, deren Erwerb die Schülerinnen und Schüler in vielseitiger Weise auf die Anforderungen der Zeit vorbereiten. 

14. Wer war Rudolf Steiner und was hat er mit der Waldorfschule zu tun?
Rudolf Steiner war Begründer der Anthroposophie. Er wurde 1861 in Österreich geboren und starb 1925 in Dornach in der Schweiz. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gründete er die Anthroposophische Gesellschaft. Aus seinen natur- und geisteswissenschaftlichen Forschungen heraus entwickelte er für eine Fülle von Lebens- und Wissensgebieten neue Gesichtspunkte: Medizin, Landwirtschaft, Ökonomie, Naturwissenschaften, Religion und eben auch – Erziehungswissenschaft. Ideen zur Erneuerung dieses Fachgebietes hatte Steiner bereits Ende des 19. Jahrhunderts veröffentlicht. Emil Molt, Besitzer der Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart, griff diese Ideen auf und wollte sie für die Kinder seiner Arbeiter in die Praxis umgesetzt wissen. Auf Wunsch Molts leitete Rudolf Steiner die 1919 hierfür gegründete erste Waldorfschule und bildete die Lehrer der ersten Stunde aus. Aus dieser Waldorfschule sowie aus den Grundlagen von Steiners Menschenkunde entwickelte sich die Bewegung der Waldorfschulen, die heute in fast jedem Land für eine Erneuerung des Schulwesens gesorgt hat.

15. Ist die Waldorfschule überhaupt noch zeitgemäß?
Es stimmt – die Waldorfschule wurde 1919 gegründet. Damit ist sie nunmehr fast 100 Jahre alt. Und die Staatsschule? Die geht auf den preußischen Staat zurück, der das offene Ziel verfolgte, die Schulen den Prinzipien und Zwecken der Regierung unterzuordnen. Das Gymnasium als Schule der sozialen Auslese hat sogar noch ältere Wurzeln! Es geht auf die antike Kultur zurück - eine Gesellschaft, die ihre Reichtümer durch Sklavenarbeit erwirtschaftet hat. Was Modernität betrifft kann sich die Waldorfschule gegenüber dem staatlichen Schulwesen also gut behaupten. Und nicht nur das. Da sie die heutige Forderung nach selbstbewussten freien Menschen und nach einer wirklichen Sozialgemeinschaft ernst nimmt und zu ihrem ausgesprochenen Anliegen macht, ist sie die zeitgemäße Form der Pädagogik. Seit ihrem Bestehen sind es immer wieder ihre Impulse, die nach und nach auch das staatliche Schulwesen beeinflussen. Ihre Aktualität wird auch von Studien wie z.B. PISA bestätigt: das Schulsystem skandinavischer Länder, dessen Organisationsform klare Parallelen zur Waldorfpädagogik aufweist, erweist sich als effizienter und erfolgreicher im Lehren und Lernen.

16. Was ist der „Rubikon“?
Damit wird (etwas irreführend) ein Entwicklungsschritt gemeint, den Kinder um das 9./10. Lebensjahr herum durchlaufen. Während der Zahnwechsel und die Pubertät primär körperliche Entwicklungssignale setzen, handelt es sich beim „Rubikon“ um einen seelischen Vorgang. Das Kind entfremdet sich seiner gewohnten kindlichen Umgebung, weil es ein neues Ich-Erleben spürt. Die Folgen können eine diffuse Unruhe sein, aber auch plötzliche Fragen nach dem Sinn von Leben und Tod. So wie Cäsar, der das kleine norditalienische Flüsschen Rubikon übertrat, um in Rom seine Herrschaft anzutreten und dabei die historischen Worte sprach „alea iacta est“, so tritt das Kind über eine Schwelle in ein völlig neues, unbekanntes Reich hinein. 

17. Was sind Jahrsiebte?
Dieser Begriff bezeichnet die in Abschnitten von etwa sieben Jahren sich vollziehenden Entwicklungsphasen der Kinder. Im ersten Jahrsiebt lernt das Kind sprechen, denken und sich spielend und vertrauensvoll in die Welt einzuleben. Der Zahnwechsel beendet diesen ersten Lebensabschnitt. Das zweite Jahrsiebt ist die Zeit vom Zahnwechsel bis zur Pubertät, grob gerechnet vom 7. bis zum 14. Lebensjahr. Es ist die eigentliche Schulzeit, denn das Kind erwirbt die Fähigkeit zu freiem Lernen. Die Erwachsenen, die sich um sein Lernen kümmern, verehrt es und strebt danach, möglichst viel von der Welt in sich aufzunehmen. Wir gehen davon aus, dass vor allem das Gemüt und die Gefühle der Kinder im Unterricht angesprochen werden sollten, denn der Intellekt, das abstrakte Denken ist noch nicht wirklich entwickelt. Im dritten Jahrsiebt schließlich reift der Jugendliche zum Erwachsenen. Er bildet ein freies Gedankenleben aus, und auch wenn er seine materielle Grundlage noch nicht verantwortet, kann er jede Lage im Leben urteilend erfassen.

18. Sind Walddorfschulen gegen Computer?
Nein. Das Fach Computerkunde ist fester Bestandteil des Unterrichts der Oberstufe. Seit Sommer 2000 besitzt die Rudolf Steiner Schule Hamburg-Nienstedten einen eigenen PC-Raum mit 15 Schüler-Arbeitsplätzen. Bevor die Kinder sich allerdings in den virtuellen Welten tummeln, legen Waldorf-Lehrer Wert darauf, dass sie sich mit der natürlichen Welt vertraut machen. An ihr nämlich entwickeln sie ihre sozialen und schöpferischen Fähigkeiten. Der Umgang mit Hard- und Software, mit Internet und moderner Kommunikation ist Unterrichtsgegenstand der Oberstufe. 

19. Kann ein Lehrer überhaupt in allen Fächern qualifiziert sein?
Nein, natürlich nicht. Das sind auch Waldorflehrer nicht. Viele von ihnen haben vor ihrer Zeit als Lehrer in anderen Berufen gearbeitet. Sie durchlaufen eine eigene Ausbildung, die meist zwei oder drei Jahre dauert und neben der fachlichen Ausbildung auch Menschenkunde lehrt. Begleitend zum Beruf oder als Vollzeitstudium werden Kenntnisse vermittelt und gelehrt, die Waldorflehrer für ihren Unterricht brauchen. Es stimmt: dieses Wissen ist oft weiter gefächert und universeller ausgerichtet als für den Fachunterricht einer staatlichen Schule. Dies ist besonders wichtig beim Epochenunterricht der  Klassenlehrer in den ersten beiden Schulstunden am Morgen. Danach übernehmen Fachlehrer mit spezifischer Qualifikation den Unterricht: Sport, Fremdsprachen, Eurhythmie, Religion, Musik und Werken. In der Unter- und Mittelstufe geht es dabei nicht nur um die Vermittlung sachlicher Informationen, sondern um die lebendige Beziehung, die Schüler im Bestfall herstellen zu dem, was sie sind, was sie tun, was sie wollen. Lernen soll Freude machen – ein Leben lang.

20. Was machen Waldorfschulen anders als andere Schulen?
Nicht alles, aber viel. Waldorfschulen wollen verstandesmäßige, kreative, künstlerische, praktische, soziale Fähigkeiten junger Menschen gleichermaßen ansprechen und entwickeln. So lernen die Schüler vom ersten Schuljahr an zwei Fremdsprachen. In Nienstedten sind dies Englisch und Französisch. Jungen und Mädchen stricken, nähen, häkeln und schneidern gemeinsam im Handarbeitsunterricht, sie sägen, hämmern, feilen und schnitzen zusammen im Werkunterricht und prägen damit nicht nur ihre Handfertigkeit, sondern auch ihre gedankliche Wendigkeit. Sie lernen im Gartenbauunterricht praktisch etwas über die sie umgebende Natur. In jeder 8. und 12. Klasse studieren sie ein anspruchsvolles Theaterstück ein. Bühnenaufführungen sind auch im Rahmen der Monatsfeiern regelmäßig Gegenstand des Unterrichts, fördern die Gemeinsamkeit und den persönlichen Ausdruck. Außerdem setzen sich die Schüler in der 11. Klasse in Form einer Studienarbeit mit einem Thema ihrer Wahl theoretisch und praktisch auseinander. Diese Studienarbeit kann auch in kleinen Gruppen bearbeitet werden. Das Fach Eurythmie begleitet die Schüler von der 1. bis zur 12. Klasse, in der die Schüler einen gemeinsamen Eurythmie-Abschluss auf der Bühne gestalten. 

Lesen Sie bitte auch dazu im folgenden Link:

21 Fragen an die Waldorfschule