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Flechten

Flechten sind sehr merkwürdige und interessante Organismen. Eine Symbiose erschließt ihnen extreme Lebensräume.

 

Es gibt ca. 16000 bis 20000 verschiedene Flechtenarten. Sie sind z.T. schwer zu bestimmen, einige Flechtenarten kann man nur z.B. durch Bestrahlung mit UV-Licht, Unterschiede in Trocken- und Nasszustand, des Aussehens am Tag und in der Nacht oder durch Anwenden verschiedener Chemikalien sicher zuordnen.

 

Flechten bestehen aus einer Symbiose aus einem Pilz und einer Alge. Die Pilze geben den Algen Schutz vor dem Austrocknen, und nehmen mit ihren Hyphen mineralische Ionen aus dem Untergrund auf. Die Algen hingegen geben den Pilzen Nährstoffe, die diese durch Photosynthese erlangen. Algen können auch ohne die Pilze bestehen, doch diese Pilze der Flechten sind so spezialisiert, dass sie ohne die Algen nicht mehr lebensfähig sind.

 

Durch diese Symbiose sind sie nicht sehr anspruchsvoll in Bezug auf ihren Lebensraum. Sie brauchen nur Platz und Zeit, da sie extrem langsam wachsen. Gras z.B. überwuchert sie und die Flechten gehen darunter ein. Sie wachsen an Bäumen, in Wüsten, auf Sandboden,… Die einzige Bedingung ist, dass es Sonne für die Photosynthese und ab und zu etwas Feuchtigkeit gibt. Diese reicht ihnen auch schon in Form von Nebel, den die Flechte binden kann. Da die Flechten auch austrocknen können und damit ihre Lebensprozesse anhalten, sind sie auch wenig anspruchslos in Bezug auf die Witterungsverhältnisse.

 

Die Flechten nehmen alle Mineralien und Nährstoffe aus dem Boden in sich auf, deshalb sind sie auch ein guter Indikator für Metalle oder Schwermetalle, die sie anreichern. Lackmus, ein bekannter und wichtiger Indikator für Säuren und Basen, wird aus ihnen gewonnen. Bein Tschernobyl-Unglück 1986, als die Wolke aus Schadstoffen über Schweden und Finnland hinweggezogen ist, reicherten die Flechten auch die radioaktiven Isotope an. Das war nicht schädlich, doch das Fleisch der Rentiere, die die Flechten fraßen, war damit für den Menschen ungenießbar geworden. Den Rentieren selbst machte es nichts aus, trotzdem mussten sie geschlachtet und ihr Fleisch weggeworfen werden. Eine große Verschwendung.

 

Die Konsumenten der Flechten in Finnland sind außer Rentieren, die diese auch nur fressen, wenn sie nichts anderes finden, Schnecken, Käfer, Schmetterlingslarven und in der allerschlimmsten Not, wenn sie gar nichts anderes finden, auch Hirsche. Um sich vor ihren Fressfeinden zu schützen, haben Flechten verschiedene Inhaltsstoffe. Einige kann man auch als Arzneimittel verwenden (siehe Irisches Moos). Durch ihre Inhaltsstoffe sind sie auch sehr haltbar, deshalb hat man sie früher auch oft in Schiffszwieback eingebacken. Zum Essen sind sie nicht sehr nützlich, da sie bitter schmecken und kaum Nährstoffe besitzen. Doch zum Magenfüllen wurden sie früher in absoluten Notzeiten auch von Menschen verzehrt.

 

Sarah Geweke