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Resilienz: Wie Waldorfpädagogik wirkt

Warum gibt es Kinder, die trotz widriger Lebensumstände und ungünstigster Sozialprognose ihr Leben erfolgreich meistern und andererseits Kinder, die trotz guter Startbedingungen im Leben scheitern? Warum manche Menschen zu Marionetten Ihres Schicksals werden und andere immunisiert sind gegenüber den Wechselfällen des Lebens, dafür hat die psychologische Forschung, aber auch die Personalberatung und das Führungskräftetraining in letzter Zeit ein schon lange existierendes Phänomen neu entdeckt – die Resilienz.  

Mit Resilienz wird die seelische Widerstandskraft eines Menschen bezeichnet, seine innere Stabilität und Kraft, schwierige Lebenssituationen ohne seelische Beschädigung zu bewältigen und sogar gestärkt aus Krisen hervorgehen zu können. So wie erfolgreiche Manager Stress nicht als Belastung sondern als Herausforderung ansehen, Vertrauen in die eigene Kraft haben, Rückschläge positiv in Erfahrung verwandeln können und insbesondere nicht gewillt sind, Anderen Macht über das eigene Wohlbefinden einzuräumen, so verfügen resiliente Menschen über das Selbstbewusstsein und die mentale Stärke auf Probleme flexibel und kreativ zu reagieren, auf die eigene Lösungskompetenz zu vertrauen in dem sicheren Gefühl, das Leben aus eigener Kraft heraus erfolgreich gestalten zu können. Begünstigt wird die Herausbildung von Resilienz nach heutiger Erkenntnis durch ein stabiles Geflecht von Bezugspersonen, einen autoritativen Erziehungsstil sowie effektive Erziehungstechniken. 

Eine 2007 veröffentlichte Langzeitstudie, zu der sowohl qualitative (Heiner Barz, Universität Düsseldorf) als auch quantitative Befragungen (Dirk Randoll, Alanus-Hochschule) gehörten, ging der Frage nach gemeinsamen charakteristischen Eigenschaften von ehemaligen Waldorfschülern nach. Gefragt wurde insbesondere, ob Rudolf Steiners Konzept von der Anlage der Fähigkeit des lebenslangen Lernens vom Leben in der Waldorfschule wirksam umgesetzt wird.  

Nach Steiners Vorstellung sollten sich die Schülerinnen und Schüler später durch Lebenstüchtigkeit, Autonomie und Initiativkraft, aber auch durch soziale Kompetenz, Kreativität und seelische Beweglichkeit auszeichnen. 

Die Ergebnisse der Studie ergaben in starkem Maße Persönlichkeitsmerkmale bei den ehemaligen Waldorfschülern, die nahezu deckungsgleich sind sowohl mit den Erziehungszielen Steiners als auch mit charakteristischen Resilienzmerkmalen. So zeugen die Antworten der Befragten von einem positiven Selbstkonzept, einem großen Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl -  eben von der Gewissheit, mit eigenem Bemühen Positives bewirken zu können. Darüber hinaus ergaben sich aus der Studie in auffallend hohem Maße Eigenschaften wie die Fähigkeit, Probleme aktiv und flexibel bewältigen zu können, eine optimistische und zuversichtliche Lebenseinstellung, die Arbeit an eigenen Talenten, die Pflege vielfältiger Interessen und vor allem eine hohe Sozialkompetenz.  

Eine Erklärung für dieses ausgeprägte Autonomiebewusstsein von Waldorfschülern auch im Sinne von Resilienz könnte die Einbettung der Waldorfschüler in einen schützenden Rahmen sein: Der Klassenlehrer als langjährige stabile Bezugsperson mit natürlicher Autorität sowie die ebenfalls langjährigen Beziehungen zu gleichaltrigen Mitschülern, die an Waldorfschulen nicht durch Selektion immer wieder abgebrochen werden, sind möglicherweise auch stark resilienzfördernde Faktoren.