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Waldorfpädagogik in Stichworten

Eine weltweite Bewegung
Weltweit arbeiten heute etwa 800 Schulen nach den Prinzipien der Waldorfpädagogik. Die Lehrer werden in 60 Ausbildungsstätten auf ihr Unterrichten vorbereitet. In Deutschland gibt es heute ca. 180 Schulen und ca. 500 Kindergärten. Jede Schule ist organisatorisch und finanziell selbstständig und unabhängig. Die Waldorf und Rudolf Steiner Schulen sind keinerlei wirtschaftlichen und politischen Interessen verpflichtet.

Die erste Waldorfschule
... wurde 1919 von Rudolf Steiner in Stuttgart gegründet – als Schule für Arbeiterkinder der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik.

Mit ihr wurde zum ersten Mal das Prinzip sozialer Gerechtigkeit im Bildungswesen verwirklicht. Unabhängig von sozialer Herkunft, Begabung und späterem Beruf erhielten hier junge Menschen eine gemeinsame Bildung.

Entwicklungsorientierter Lehrplan
Ein entscheidendes Prinzip des Waldorflehrplans liegt in der Abstimmung der Unterrichtsinhalte und Unterrichtsformen auf die Prozesse kindlichen Lernens und auf die Stufen menschlicher Entfaltung in Kindheit und Jugend. Der Unterricht ist von Schulbeginn an auf das Ziel innerer menschlicher Freiheit hin orientiert.

Künstlerisch-handwerklicher Unterricht
Ein vielfältiger handwerklicher Unterricht fördert die differenzierte Ausbildung des Willens und die lebenspraktische Orientierung der Schüler. Der Lehrplan der Waldorfschulen ist auf das Weiten der in den Kindern liegenden seelischen und geistigen Veranlagungen und Begabungen ausgerichtet. Deshalb tritt vom 1. Schuljahr an, neben die mehr sachbezogenen Unterrichtsgebiete, ein vielseitiger künstlerischer Unterricht. Durch diesen werden die für den Einzelnen sowie für die Gesellschaft wichtigen schöpferischen Fähigkeiten und Erlebniskräfte gefördert.

Jeder Schüler durchläuft während seiner Schullaufbahn verschiedene Praktika: das Forstpraktikum, das Landwirtschaftspraktikum, das Landvermessungspraktikum,  das Betriebspraktikum und das Sozialpraktikum. In der 11. Klasse fertigt jeder Schüler eine Studienarbeit mit einem von ihm selbst ausgewählten Thema an.

Bildhafter Unterricht
In den ersten Schuljahren, in denen die eigene Urteilskraft der Schüler erst heranreift, ist „bildhafter“ Unterricht ein wesentliches Unterrichtsprinzip.

Wissenschaftlicher Unterricht
Dem Streben nach eigener Lebensgestaltung und Urteilsbildung vom 14. Lebensjahr an entspricht der wissenschaftliche Charakter vieler Unterrichtsfächer vom 9. bis zum 12. Schuljahr. Hier sehen die Waldorfschulen ihre pädagogische Aufgabe nicht darin, eine voruniversitäre Ausbildung zu betreiben, sondern den Unterricht inhaltlich so zu vertiefen, dass er sich mit den Problemen des jungen Menschen verbinden kann und Antworten auf seine Lebensfragen gibt.

Epochenunterricht
Er wird in den Fächern durchgeführt, in denen Sachgebiete in sich ge­schlossen behandelt werden können (Deutsch, Geschichte, Mathematik, Naturwissenschaften usw.). Gebiete, die laufender Übung bedürfen (künstlerischer Unterricht, Sport, Religion, Fremdsprachen vom 1. Schuljahr an usw.), werden in Fachstunden erteilt.

Zeugnisse und Abschlüsse
Die Waldorfschulen haben das Sitzenbleiben und auch das übliche Zensurensystem in der Unter- und Mittelstufe abgeschafft. Die Zeugnisse bestehen stattdessen aus möglichst detaillierten Charakterisierungen der Schülerin/des Schülers, die die Leistung, den Leistungsfortschritt, die Begabungslage, das Bemühen in den einzelnen Fächern durchsichtig machen. Die Schüler schließen die Schule mit der Mittleren Reife (nach dem 11. Schuljahr), Fachhochschulreife (nach dem 12. Schuljahr oder dem Abitur (nach dem 13. Schuljahr) ab. Alle Prüfungen sind den staatlichen Prüfungen gleich und deshalb auch staatlich anerkannt.

Kein Sitzenbleiben
Alle Schüler und Schülerinnen durchlaufen ohne sitzen zu bleiben die ersten 10 Schuljahre. Danach findet in der 11. Klasse die Realschulprüfung statt. In der 12. Klasse beginnt dann für die Schüler, die das Abitur anstreben, die gymnasiale Studienstufe.

Selbstverwaltung
Als Freie Schulen haben die Waldorfschulen die hierarchische Organisationsform der staatlichen Schulen durch eine freiheitliche Verfassung ersetzt. Die Selbstverwaltung erfolgt durch Eltern und Lehrer gemeinsam und stellt ein sehr zukunftsorientiertes soziales Erfahrungsfeld dar. Die pädagogische Leitung wird von der wöchentlichen Lehrerkonferenz wahrgenommen, an der alle Lehrer gleichberechtigt mitwirken.

Finanzierung
Ungeachtet der weltweiten fachlichen Anerkennung der Waldorfschulen und der verfassungsrechtlichen Gleichstellung der Schulen in freier Trägerschaft mit den staatlichen Schulen bedarf es dauernder Bemühungen auf politischem und administrativem Felde, die Finanzierung der Schulen sicherzustellen. Zwar erhalten die Waldorfschulen in Deutschland staatliche Zuschüsse, doch decken diese nur zum Teil die Betriebskosten ab. Einkommensbezogene Elternbeiträge sind deshalb ein wichtiges finanzielles Standbein, mit dem das Überleben der Schule gesichert wird.

Quelle: www.waldorfschule.info